Bundesschüler*innenkonferenz plant Bildungsprotest in Berlin – gemeinsam für eine bessere Schule!

Berlin, 6. November 2026 – Schimmel an den Wänden, überlastete Lehrkräfte, zu wenig Schulsozialarbeit und ungleiche Bildungschancen: Für viele Schüler*innen gehört das zum Alltag. Obwohl seit Jahren über Bildungsreformen und Chancengerchtigkeit gesprochen wird, verbessert sich an vielen Schulen nichts. Es fehlt an Geld, Personal und oft auch am Willen, die Probleme wirklich anzupacken.

Die Bundesschüler*innenkonferenz (BSK) plant deshalb gemeinsam mit u.a. Fridays for Future Berlin und dem Bundeselternrat einen Bildungsprotest am 20. November 2026 in Berlin. Denn: Bildung ist kein Privileg und keine Ausgabe, die man beliebig kürzen darf.

“Bildung ist das Fundament unserer Gesellschaft, unserer Demokratie und unserer Zukunft, das hören wir immer wieder. Wenn es allerdings darum geht konkrete Antworten auf diese Probleme zu finden, ist man nicht investitionsbereit. Das darf nicht so weitergehen! Deswegen demonstrieren wir – es braucht nicht nur Versprechen, sondern echte Veränderungen!”, erklärt Amy Kirchhoff, Generalsekretärin der Bundesschüler*innenkonferenz.

Dabei geht es uns nicht um kleine Verbesserungen an einzelnen Stellen. Wir brauchen ein Bildungssystem, welches Schüler*innen wertschätzt, effektives Lernen ermöglicht und junge Menschen auf das Leben vorbereitet. Für den Bildungsprotest am 20. November haben wir daher 10 konkrete Forderungen erarbeitet:

  1. Schulen sanieren: Eine saubere und moderne Lernumgebung ist die Basis für Wohlbefinden und damit für Lernen. Deswegen müssen Gebäude in Stand gesetzt werden!
  2. Gesund lernen: Wir sind immer stärker mental belastet. Daher ist es wichtig feste Strukturen zu haben, an die wir uns einfach wenden können und durch die wir Leistung und Wohlbefinden verbinden können. Es braucht es einen radikalen Ausbau der Schulsozialarbeit und Schulpsychologie. Schule muss zum Wohlfühlort werden!
  3. Bildung für alle: Unser System gibt nicht allen die gleichen Chancen. Der Verlauf des Lebens ist abhängig von unserer Herkunft. Es braucht echte Chancengleichheit, damit der Abschluss nicht vom Elternhaus abhängt!
  4. Mitbestimmung möglich machen: Wir verbringen einen großen Teil unseres Alltags in der Schule. Nur fair ist es daher, wenn wir bei Entscheidungen eine wirksame Stimme erhalten. Es braucht echte Möglichkeiten zur Mitgestaltung und ein grundlegend demokratischeres System!
  5. Lehrkräfte entlasten: Zu oft übernehmen Lehrkräfte administrative Aufgaben wie das Reparieren von Geräten oder das Einrichten von Lern-Plattformen, obwohl sie die Zeit zum Unterrichten brauchen. Es braucht hier dringend Entlastung durch multiprofessionelle Teams!
  6. Schulen updaten: Handys, Social Media und KI gehören zu unserem Alltag. Doch Schule schafft es nicht, ausreichend über Chancen und Gefahren aufzuklären. Es braucht deswegen mehr Medienkompetenz!
  7. Demokrat*innen ausbilden: Wir sehen immer mehr Rechtsextremismus und Politikverdrossenheit. Hier müssen wir gegensteuern, denn es ist wichtig, dass bereits früh ein Verständnis für unsere Demokratie und ihre Strukturen vermittelt wird. Es braucht daher bessere politische Bildung und Lehrkräfte, die Haltung zeigen!
  8. Klima retten: Klimawandel ist nach wie vor eine der größten Bedrohungen unserer Zeit. Schule zeigt uns jedoch nicht genug Möglichkeiten, hier entgegenzuwirken. Die Themen Nachhaltigkeit und Klimawandel müssen daher fest in Lehrplänen und im Lehramtstudium verankert werden!
  9. Inklusion ermöglichen: Bildung, Unterricht und Schule muss für alle und gemeinsam möglich sein, ganz egal, ob jemand körperliche oder mentale Beeinträchtigungen hat. Es braucht deshalb Schule ohne Barrieren und überall gesicherte Assistenz, wo sie gebraucht wird!
  10. Geld erklären: Wir haben immer wieder das Gefühl aus der Schule ohne Ahnung vom Leben zu gehen. Vor allem, was Geld angeht, sind wir oft schlecht vorbereitet. Es braucht deswegen realitätsnahe Wirtschafts- und Finanzbildung an jeder Schule!

 

“Diese Punkte geben einen ersten Ansatz, was wir akut verändern müssen. Dadurch werden trotzdem nicht alle Probleme gelöst – insbesondere müssen wir langfristig an einer demokratischen und wertschätzenden Schulkultur arbeiten. Dafür müssen wir gemeinsam laut sein. Wir nehmen alle in die Verantwortung – von der Schule bis zur Bundespolitik braucht es einen Schulterschluss für bessere Bildung und damit für die Erziehung von echten Demokrat*innen.”, fordert Amy Kirchhoff.

Wir wollen dem Frust einen Platz und Rahmen bieten, in dem friedlich und demokratisch in den Diskurs gegangen werden kann. Da in vielen Protesten dieser nicht ausreichend gegeben wird, wollen wir am 20. November 2026 mit vielen Bündnispartner*innen einen Impuls setzen. Hier wollen wir gemeinsam einen sicheren Raum für junge Menschen schaffen, die gemeinsam für ihre Anliegen einstehen können. Wir als Bundesschüler*innenkonferenz freuen uns, dass wir hier auch von anderen Organisationen unterstützt werden. So rufen auch Fridays for Future Berlin, der Bundeselternrat und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft mit auf:

„Wir brauchen ein Bildungssystem, das uns auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet! Klimagerechtigkeit, gute Bildung und eine lebenswerte Zukunft gehören untrennbar zusammen. Mit einer Politik die Aufrüstung als höchste Priorität hat, während beim Klima und in der Bildung gekürzt wird, wird das nicht möglich sein. Deshalb stehen wir solidarisch an der Seite der Schüler*innen, die am 20. November auf die Straße gehen und für ihre Zukunft kämpfen!“, sagt Nele Evers von Fridays for Future Berlin.

„Es ist erstaunlich und zugleich sehr schade, wenn jetzt davon gesprochen wird, dass junge Menschen sich Gehör verschaffen wollen. Das versuchen sie seit Jahren – nur hat sie niemand ernst genommen. Es wird Zeit, dass aus den vielen Lippenbekenntnissen der Bildungspolitik endlich konkrete Taten folgen. Die Forderungen werden auch Thema unseres Chancengipfels im Februar 2027 sein. Wir sind gespannt, ob dieses Mal mehr politische Entscheidungsträger den Dialog mit uns suchen”, fordert Aline Sommer-Noack vom Bundeselternrat.

„Die GEW solidarisiert sich mit den Forderungen der Schüler*innen. Eine starke Demokratie beginnt mit guter Bildung, sie beinhaltet ein Recht auf gleiche Bildungschancen für alle. Aber ausgerechnet Deutschland leistet sich ein so ungerechtes Bildungssystem wie kaum ein anderes Land. Es ist ein Skandal, dass der Bildungserfolg in einem der reichsten Länder der Welt weiterhin so stark von sozialen Bedingungen wie Herkunft, dem Geldbeutel der Eltern oder dem Wohnort abhängt. Die politisch Verantwortlichen müssen endlich liefern: marode Schulen sanieren, multiprofessionelle Teams in den Schulen etablieren und Schulsozialarbeit und Schulpsychologie massiv ausbauen. Wir brauchen Investitionen in Bildung. Und ich erwarte, dass politisch Verantwortliche die jungen Menschen und ihre Anliegen ernst nehmen und danach handeln“, so Maike Finnern, Vorsitzende der GEW.

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